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Funktion einer Vermittlungsstelle Drucken
So ein Heb-Dreh-Wähler funktionierte zwar nicht schlecht, aber er hat auch so seine Macken. Es wurde daher eine andere Art von Wähler entwickelt, der "Edelmetall-Motor-Drehwähler" (EMD). Wie er funktioniert, wird auf der nächsten Seite beschrieben.

Auf dieser Seite soll genauer beschrieben werden, was in einer Vermittlungsstelle tatsächlich passiert. Da ich mich mit der Technik der Heb-Dreh-Wähler nicht so genau auskenne, erläutere ich dies anhand der EMD-Technik – auch wenn ich erst später beschreibe, wie ein solcher Wähler aufgebaut ist. Von der Funktion her sind Heb-Dreh-Wähler und Edelmetall-Motor-Drehwähler gleich: Ein Eingang, 100 Ausgänge.

Aufbau einer Verbindung

Teilnehmerschaltung, Anrufordner und Anrufsucher

Angenommen, Teilnehmer A möchte eine Verbindung mit Teilnehmer B aufbauen. Dazu nimmt er den Hörer (offiziell: Handapparat) seines Telefons ab. Er schließt damit die Gleichstromschleife seines Apparates. Das bleibt der Vermittlungsstelle nicht verborgen. Jedem einzelnen Teilnehmer ist eine so genannte "Teilnehmerschaltung" (TS) zugeordnet, die aus zwei Relais besteht. Die TS bemerkt, dass der Widerstand in Richtung Teilnehmer A ganz erheblich abgenommen hat und teilt dies einem "Anrufordner" (AO) mit. Der AO ist auch eine Art Wähler, allerdings in Sparausführung: Er hat nur zehn Ausgänge. So sieht ein solcher AO aus (hier ein Drehwähler DW 27):

Das folgende Bild zeigt, wo ein AO in einem Wählergestell untergebracht war.

Der AO beginnt seine Kontaktarme zu drehen und sucht einen freien EMD. Dieser Wähler heißt "Anrufsucher" (AS). Der AO teilt dem AS sinngemäß mit: "He, da will einer telefonieren, ich weiß allerdings nicht, wer. Sieh' doch mal nach!"

Jeder TS sind zehn AS zugeordnet. Einen freien davon hat der AO nun (hoffentlich) gefunden. Nachdem der AS nun Bescheid weiß, kann sich der AO wieder neuen Aufgaben zuwenden oder vorübergehend schlafen gehen.

Der AS begint nun seine Kontakte abzusuchen. Welcher seiner 100 Teilnehmer möchte ein Gespräch führen? Der AS fühlt jedem Kontakt blitzschnell auf den Zahn, bis er ein bestimmtes Potential gefunden hat, das ihm verrät, dass er am Ziel ist. Der AS ist damit der einizige Wähler, der nicht einen Eingang und 100 Ausgänge hat, sondern 100 Eingänge und einen Ausgang.

Jedem AS ist ein erster Gruppenwähler (1. GW) zugeordnet. Ein solcher 1. GW ist auf einer der vorigen Seiten vorgestellt worden. Dieser 1. GW weiß nun Bescheid, dass ein Teilnehmer ein Gespräch führen möchte. Jetzt – erst jetzt – hört Teilnehmer A den Wählton ("duuuuuuuuuuuuu"). In dieser kurzen Zeit (Handapparat abnehmen oder Finger von der Gabel nehmen bis zum Wählton) waren bereits AO und AS in Aktion. Mit mörderischer Geschwindigkeit haben sie sich bewegt.

Wenn man mehrmals den Finger auf die Gabel legte und wieder herunternahm, konnte man feststellen, dass die Zeit bis zum Wählton ganz leicht unterschiedlich lang war. Das hing davon ab, wie lange AO und AS brauchten, bis sie alles klar gemacht hatten, je nach Ausgangsstellung.

Der AS bleibt nun in der erreichten Stellung stehen, bis das Gespräch beendet wird. Die beiden Sprechadern werden auf den 1. GW durchgeschaltet, der die Impulse der nun folgenden Wahl der ersten Ziffer verarbeitet.

Das Bild zeigt den schematischen Aufbau einer Verbindung, die Rufnummer hat eine Länge von vier Ziffern.

Gruppenwähler

Der 1. GW spielt eine Sonderrolle; ihm kommen einige Aufgaben mehr zu als den folgenden Gruppenwählern. Nämlich: Hier werden die meisten Töne eingekoppelt; Wählton ("duuuuuuuuuu"), Rufton ("duuut duuut duuut") und nach einer Weile auch der Besetztton ("dut dut dut"). Außerdem erfolgt an dieser Stelle die Sperrung gegen andere Anrufe; jeder, der nun Teilnehmer A anwählt, hört den Besetztton. Weiterhin erfolgt hier die Weiterleitung der Impulse an den Zähler, die für die Rechnungsstellung nötig sind.

Jeder GW verarbeitet eine Ziffer der gewählten Rufnummer. Je nach der Länge der Rufnummern gibt es unterschiedlich viele Ebenen von GW hintereinander. Nach der gezwungen Wahl (entsprechend der gewählten Ziffer) und der freien Wahl (bis ein freier nächster GW oder LW gefunden wurde) bleibt der Wähler in der gefundenen Stellung und schaltet die Sprechadern an die nächste Stufe.

Leitungswähler

Irgendwann kommt dann der letzte Wähler an die Reihe: Der auf der vorletzten Seite vorgestellte Leitungswähler (LW). Der verarbeitet die beiden letzten Ziffern der Rufnummer und schaltet den Ruf zu Teilnehmer B durch. (Normalerweise liegen 60 V Gleichspannung am Apparat. Beim Ruf wird diese Gleichspannung mit einer Wechselspannung von 65 V bei 25 Hz überlagert. Dadurch liegen beim Ruf bis zu 125 V am Apparat, das kann schon ganz schön weh tun.)

Und das war's auch schon. Wenn Teilnehmer B den Handapparat abnimmt, ist die Verbindung aufgebaut.

 
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