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Der Edelmetall-Motor-Drehwähler Drucken
Der Edelmetall-Motor-Drehwähler (EMD) war der Nachfahre der Heb-Dreh-Wähler. Der Heb-Dreh-Wähler hatte nämlich einige Nachteile: Er hob und drehte seine Kontaktarme – zwei voneinander unabhängige Bewegungen. Das bedeutete schon mal eine ganze Menge Mechanik. Außerdem hatte der Heb-Dreh-Wähler noch andere Macken: Zum Beispiel wurde die Masse des Kontaktarmes vom Antrieb bei jedem Schritt extrem schnell beschleunigt und wieder abgebremst. Das riecht nach Verschleiß. Im Laufe der Jahre verwandelte sich ein Heb-Dreh-Wähler so selber in ein Häufchen Metallspäne, wenn er nicht häufig gewartet wurde.

Der EMD hatte diese Macken nicht, oder zumindest nicht ganz so stark. Er wurde von einer Art Elektromotor angetrieben. Dieser bestand aus einem etwa Z-förmigem drehbaren Anker und zwei Spulen, die den Anker abwechselnd anzogen. Dadurch entstand eine Drehbewegung, die allerdings nicht absolut gleichförmig war. Auf der Drehachse befanden sich Nocken, die die beiden Spulen ansteuerten.

Der EMD konnte nur drehen, nicht jedoch Heben. Dazu mussten die Kontakte der Kontaktbank wesentlich dichter angeordnet werden. Außerdem besaß er gegenüber dem Heb-Dreh-Wähler vier statt drei Kontaktarme. Und diese waren auch noch doppelt vorhanden: Die Kontakte der Kontaktbank waren im Halbkreis angeordnet, so dass einer der beiden Sätze von Kontaktarmen immer auf der Kontaktbank war. So sah ein EMD aus:

Die beiden Sätze von je vier Kontaktarmen (1) drehten sich um eine gemeinsame Achse. Der Antrieb des Motors erfolgte durch die beiden Spulen (2). Deren Positionen konnten (nach dem Lösen zweier Schrauben) durch die beiden Hebel (3) leicht verändert werden, was Einfluss auf die Drehgeschwindigkeit hatte. Diese ließ sich beim System 55 auch durch den kleinen Stellwiderstand (4) regulieren. Die elektrische Verbindung erfolge durch die Zuleitung (5), an der sich ein 30-poliger Stecker befand. Der EMD auf den Bildern ist ausgebaut, von der Kontaktbank ist also nichts zu sehen. Hier weitere Bilder:

 

 

 

 

Die EMD-Technik wurde als "System 55" bezeichnet, da sie 1955 eingeführt wurde. Weiterhin gab es das "System 55v" ("v" für "vereinfacht"), da sich bald herausgestellt hatte, dass die EMD-Technik noch optimiert werden konnte. In der auf den folgenden Seiten dargestellten Vermittlungsstelle waren beide Systeme parallel im Einsatz. Der oben abgebildete Wähler ist ein 55v.

So ein Wähler machte ganz schön Krach. Wenn ein Gruppenwähler erst in gezwungener Wahl aufgrund der gewählten Ziffer wählte und dann bei der Suche nach dem nächsten freien Wähler erst beim dritten Mal fündig wurde, hörte sich das in etwa so an: "Rrrrrrrrrrrt, tack, tack, tack, knuck!" "Knuck" kommt daher, dass der EMD erst nach dem Ende der Drehbewegung die beiden Kontaktarme für die Sprechadern an die Kontaktbank drückte. Das verminderte Verschleiß und vermied, dass der Teilnehmer beim Wählen hörte, wie der Kontaktarm über die Kontakte kratzte. Bei Heb-Dreh-Wählern konnte man das wohl hören; es soll angeblich Leute gegeben haben, die an den Kratzgeräuschen den Wählertyp erkennen konnten.

 

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