| EZTGO und der Krieg der Taxifahrer |
|
|
EZTGO? Die Post hatte schon skurrile Abkürzungen. Der volle Name lautet "Elektronischer Zeittaktgeber für den Ortsdienst". Der EZTGO war eine kleine Platine, die hinter den kleinen quadratischen grauen Abdeckungen auf dem folgenden Bild zu finden war.
Ich glaube, jedem 1. GW war ein solcher EZTGO zugeordnet. Der EZTGO erfüllte in erster Linie zwei Aufgaben: Einerseits gab er die Zählimpulse für die Zählung von Ortsgesprächen ab. Die EZTGO wurden Anfang der achtziger Jahre installiert, bis dahin kostete jedes Ortsgespräch genau eine Einheit – egal, wie lang es war. Mit dem EZTGO wurde dann der "Acht-Minuten-Takt" eingeführt. Die zweite Aufgabe des EZTGO betraf eine interessante Macke, die die bisherige Vermittlungstechnik aufwies: Angenommen, Teilnehmer A rief Teilnehmer B an. Wenn nun das Gespräch beendet wurde, gab es – abhängig davon, ob das Gespräch von Teilnehmer A oder Teilnehmer B beendet wurde – einen ziemlichen Unterschied. Beendete Teilnehmer A das Gespräch, wurde die bestehende Verbindung abgebaut; die Wähler standen wieder zur Verfügung. Beendete aber Teilnehmer B das Gespräch, wurde es gar nicht beendet. Schlug er auf die Gabel, bekam er nicht etwa den Wählton, sondern war wieder mit Teilnehmer A verbunden, die Wähler hatten ihre Stellung nicht verändert. Diese seltsame Verhaltensweise machten sich vor allem konkurrierende Taxiunternehmen zu Nutzen. Man fuhr zu einer einsamen Telefonzelle (vorzugsweise in einem anderen Ortsnetz) und rief das verfeindete Unternehmen an. Dann legte man den Hörer daneben und machte sich aus dem Staub. Damit war das andere Unternehmen außer Gefecht gesetzt, es konnte von Kunden nicht mehr angerufen werden. Es blieb nun nichts anderes mehr übrig, als die Störungsstelle anzurufen. Mindestens einer (wahrscheinlich aber mehrere) Mitarbeiter der Post mussten nun durch die Wählersäle turnen, um herauszufinden, von welchem Anschluss aus angerufen worden war. Wenn dann feststand, um welche Telefonzelle es sich handelte, musste da jemand hinfahren und den Hörer auflegen. Man kann sich denken, wie lange so etwas – vor allem nachts – dauerte. Mit Einführung des EZTGO war's damit vorbei. Das so genannte "Flackerschlusszeichen" sorgte dafür, dass die Verbindung aufgelöst wurde. Jedenfalls hielt mit dem EZTGO zum ersten mal in größerem Umfang Elektronik Einzug in die Welt der Vermittlungstechnik der Bundespost. Bestimmte Teilnehmer (Auskunft, Fernamt, Polizei-Notruf usw.) konnten blockierende Anrufe auch vor der Einführung des EZTGO gezielt abwerfen.
|
| < zurück | weiter > |
|---|




