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Nummernschalter Drucken
Der Nummernschalter wird durch die Fingerlochscheibe ("Wählscheibe") angetrieben und erzeugt die Impulse, die zum Wählen dienen. Beim Wählen einer Eins wird ein Impuls erzeugt, beim Wählen einer Zwei werden zwei Impulse erzeugt usw. Beim Wählen einer Null werden zehn Impulse erzeugt, das dauert dann eine Sekunde.

Beim Wählen steckt man einen Finger (meistens wohl den Zeigefinger) in eines der Löcher der Fingerlochscheibe und dreht diese nach rechts bis zum Anschlag. Währenddessen passiert eigentlich nichts Besonderes: Eine Feder wird aufgezogen.

Dann zieht man den Finger aus dem Loch der Fingerlochscheibe, und erst jetzt beginnt der Wählvorgang. Die Feder bewegt die Fingerlochscheibe wieder in die Ausgangsstellung zurück. Damit die Bewegung mit genau der richtigen Geschwindigkeit abläuft, gibt es einen kleinen Fliehkraftregler (1), der bei zu schneller Bewegung zu Bremsen beginnt.

Außerdem dreht sich die kleine rote Impulsscheibe (2), eine Art Nockenscheibe, was dazu führt, dass sich die Kontakte (3) rhythmisch öffnen und schließen.


[4]

Die folgenden Abschnitte zeigen einige der verbreiteten deutschen Nummernschalter. (Die Ansichen von hinten lassen sich durch Anklicken vergrößern.)

W 28 und älter

 

Hersteller: Lorenz, Bauform M 21a (N 24?)

 

Hersteller: B & G (Borck & Goldschmidt), Typ N 30

 

Hersteller: Merk?, Typ N 30, Oktober 1948

Der obere dürfte der älteste sein – die Fingerlochscheibe kommt mir allerdings seltsam vor, vielleicht habe ich die vor Jahren mal mit der des zweiten Nummernschalters verwechselt. Wahrscheinlich kommt er aus einem ZB SA 19 oder ZB SA 24. Die älteren Nummernschalter haben normalerweise eine Fingerlochscheibe aus Metall, in der Mitte ein Plättchen mit Buchstaben, und die Ziffern auf der Emaille-Platte sind von einem Kreis umschlossen. Die neueren haben eine Fingerlochscheibe aus Kunststoff, in der Mitte Ziffern statt Buchstaben und keine Kringel um die Ziffern.

Besondere Macke: Der Weg zum Wählen einer Eins erwies sich als zu kurz, wählte man mehrmals die Eins in rascher Folge, wurde dies von der Vermittlungsstelle falsch interpretiert.

Modell 36/W 38/W 48/W 49

 

Hersteller: Hagenuk, September 1956

(Die ersten Exemplare des Modells 36 wurden noch mit dem Nummernschalter des W 28 geliefert.)

Die Ziffern sind nun weiß auf schwarzem Grund, weiterhin konnte die Masse der Fliehkraftregler deutlich reduziert werden und die Impulsscheibe hat nun drei statt einen Flügel. Die ersten dieser Nummernschalter hatten noch einen schwarzen Emaillering, auf den die weißen Ziffern aufgebracht waren, später kam Kunststoff zum Einsatz. Der Weg zum Wählen einer Eins wurde verlängert. Bei Apparaten in der Farbe Elfenbein sind die Ziffern grün auf weißem Grund; ich meine, auch mal einen mit rot-braunen Ziffern auf weißem Grund gesehen zu haben. Späte Exemplare des W 48 hatten eine transparente Fingerlochscheibe.

Grauer FeAp 61

 

Hersteller: DFG

 

Hersteller: Krone, April 1972

Die Ziffern sind nun wieder schwarz auf weißem Grund, die Fingerlochscheibe ist transparent. Von hinten werden die Nummerschalter mit einer Kappe versehen, um sie vor Staub zu schützen.

Der Nachteil der bisher vorgestellten Nummernschalter war, dass die ganze Mechanik (die durch den Fliehkraftregler durchaus auch ein bisschen Masse hatte) am Ende des Wählvorganges ziemlich ruckartig zum Stillstand kam. Das ging dann zwar so einige Jahre gut, aber auf die Dauer führte das entweder zu Verschleiß oder zumindest dazu, dass eine Wartung fällig war.

Daher wurde in den Siebzigerjahren ein neuer Nummernschalter entwickelt (siehe die beiden unteren Bilder), der diese Nachteile nicht hatte, er sollte mehr oder weniger wartungsfrei sein. Am Ende des Wählvorganges wurde die Schwungmasse ausgekuppelt und kam langsam zur Ruhe. Man erkannte Apparate mit solchen Nummernschaltern daran, dass sie nach dem Wählen ein leicht asthmatisches Geräusch von sich gaben. Nachteil war wiederum, dass die Dinger viel zu teuer waren und darum nur in begrenztem Umfang zum Einsatz kamen. Das Zeitalter der Nummernschalter war ohnehin so gut wie vorüber.

Bunte 611 sowie Baureihe 7 und 8

In späteren Jahren gab es in den bunten Versionen des 611 wieder schwarze Nummernschalter mit weißen Ziffern. Diese Nummernschalter wurden auch in den Apparaten 791 & Co eingebaut. Ganz schön viel Plastik.

Variant

Apropos Plastik: Hier zum Abschluss noch ein DDR-Nummernschalter aus dem Variant. Sowohl dieser als auch der vorangegangene Nummernschalter ist normalerweise mit einer Kappe versehen, die zum Fototermin jedoch entfernt wurde.

Zugnummernschalter

In den Dreißigerjahren versuchte man, das Wählen zu vereinfachen und entwickelte Zugnummernschalter (unten ein Bild). Man steckte den Finger in eine der Mulden und zog nach vorne. Nach dem Loslassen lief der Nummernschalter wieder zurück, im Inneren geschah dabei das Gleiche wie in einem normalen Nummernschalter, was das Bild unten rechts andeutet. In den Fünfzigerjahren baute Siemens Apparate mit diesem kuriosen Nummernschalter für Nebenstellenanlagen, durchgesetzt haben sie sich jedoch nie.


[2]

Sperrnummernschalter

Ein richtiges Wunderwerk von Nummernschalter (den Sperrnummernschalter des Tln Mü 55b) können Sie [hier] bewundern.

Sperrung bei aufgelegtem Handapparat

Im W 28 und im Modell 36 wurde der Nummernschalter bei aufgelegtem Handapparat mechanisch blockiert. Dies geschah über einen kleinen Metallstreifen, der gebogen wurde – so sieht das ganze in betriebsfähigem Zustand aus:

Prüfgeräte

Um zu überprüfen, ob ein Nummernschalter mit der richtigen Geschwindigkeit und dem richtigen Tastverhältnis ablief, gab es spezielle Messvorrichtungen. Früher wurde das Wählen einer Null auf einem Papiermessstreifen aufgezeichnet. In alten Apparaten kann man so einen Messstreifen häufig finden, er ist meistens unter der Metallplatte des Nummernschalters versteckt. Unten auf dieser Seite sehen Sie einen Messstreifen in voller Länge.

Später wurde kein Streifen mehr geschrieben, statt dessen wurde der Impulsverlauf auf einer Art Oszilloskop mit einer Kathodenstrahlröhre sichtbar gemacht. Ein anderes Gerät, mit dem die Funktion eines Nummernschalters geprüft werden kann, sehen Sie [hier].

 

 
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